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Lokalisierung und Datierung des Rostocker Liederbuchs

1. Lokalisierung des Liederbuchs

Der Schriftdialekt der meisten deutschsprachigen Texte im Rostocker Liederbuch ist mittelniederdeutsch.

Wegen der Anspielung auf die Rostocker Domfehde in Nr. 58 wird als Entstehungsort der Handschrift der Fundort Rostock angenommen.
Überdies wird wegen der lateinischen Texte die Rostocker Universität als Entstehungsumfeld genannt.

Es sind jedoch drei Indizien festzuhalten, die gegen die übliche und in der Forschung anerkannte Lokalisierung sprechen:

1. Es handelt sich bei dem Lied Nr. 58 um einen Nachtrag.
2. Die anderen historischen Lieder beziehen sich auf Braunschweiger, Lüneburger und Wolfenbütteler Vorgänge (Nr. 3-5, 11, 15).
3. Keiner der Namen, die im Liederbuch genannt werden (s. unten), ist eindeutig in der Rostocker Matrikel nachweisbar.

Folgende Namen werden in den Texten genannt:

Hinrick Sticker in dem Lied Nr. 5: Lustlich hat god ghetzyret (Blatt 6r)

Dominus et Magister Andreas de Prutzia nach dem Lied Nr. 9: Almechtigher got here ihesu crist (Blatt 10v)

Peter von Strazeborgh in dem Lied Nr. 11: [...] sprack: 'dat scal syn' (Blatt 12v)

Johannes und Elisabeth nach dem Lied Nr. 15: Der werlt der hat enen dummen m[od] (Blatt 17r)

Steffanus frater nach dem Lied Nr. 17: De jungelin sprak: 'schon juncfrouw fyn' (Blatt 18r)

 

2. Datierung des Liederbuchs

Der Charakter der Schrift weist auf die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Einigen Anhalt für die Datierungen bieten die historischen Lieder Nr. 3-5, 11, 15 und 58.

Die Lieder 3, 4, 5, 11 und 15 verweisen auf historische Ereignisse in der Landesgeschichte Braunschweigs, die auf die Zeit von ca. 1432-1465 datiert werden, während sich das (von der Haupthand nachgetragene!) Lied Nr. 58 (Blatt Nr. 39r bis 39v) vermutlich auf die so genannte Rostocker Domfehde bezieht (1487-1491).

Dadurch erhält man für den Hauptbestand der Sammlung das Jahr 1465, für den Nachtrag das Jahr 1487 als terminus post quem.

Daraus ergibt sich, dass das Liederbuch im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts angelegt worden sein mag und gegen Ende des Jahrhunderts erweitert wurde.