1.
Lokalisierung des Liederbuchs
Der Schriftdialekt der meisten deutschsprachigen
Texte
im Rostocker
Liederbuch ist
mittelniederdeutsch.
Wegen der Anspielung auf die Rostocker
Domfehde in Nr. 58 wird als Entstehungsort der Handschrift
der Fundort Rostock angenommen.
Überdies wird wegen der lateinischen Texte
die Rostocker Universität als Entstehungsumfeld genannt.
Es sind jedoch
drei Indizien festzuhalten, die gegen die
übliche und in der Forschung anerkannte Lokalisierung sprechen:
1. Es handelt sich bei dem Lied Nr. 58 um einen Nachtrag.
2. Die anderen historischen Lieder beziehen sich auf
Braunschweiger, Lüneburger
und
Wolfenbütteler Vorgänge (Nr. 3-5, 11, 15).
3. Keiner der Namen, die im Liederbuch genannt werden (s. unten), ist
eindeutig in der Rostocker Matrikel nachweisbar.
Folgende Namen werden in
den Texten genannt:
2. Datierung
des Liederbuchs
Der Charakter der Schrift weist auf die 2.
Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Einigen Anhalt für die Datierungen bieten die
historischen Lieder Nr. 3-5, 11, 15 und 58.
Die Lieder 3, 4, 5, 11
und 15 verweisen auf historische Ereignisse
in der Landesgeschichte Braunschweigs, die auf die Zeit von
ca. 1432-1465 datiert werden, während sich das (von der Haupthand nachgetragene!) Lied
Nr. 58 (Blatt Nr. 39r bis 39v)
vermutlich auf die so genannte Rostocker
Domfehde bezieht (1487-1491).
Dadurch erhält man
für den
Hauptbestand der Sammlung das Jahr 1465, für
den Nachtrag das Jahr 1487 als terminus post quem.
Daraus ergibt sich, dass das Liederbuch im letzten Viertel des
15. Jahrhunderts angelegt worden sein mag und gegen Ende des
Jahrhunderts erweitert wurde.
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