1.
Personen
Ebenreuter, Martin
Schreiber der nach
ihm benannten
Handschrift; eventuell identisch mit einem Kantor, der 1547 im
unterfränkischen Königsberg (bei Schweinfurt)
nachgewiesen werden konnte.
Hätzlerin, Clara
Augsburger
Berufsschreiberin (* ca.
1430; † nach 1476), in den Nürnberger
Steuerbüchern für die Jahre 1452-1576 nachweisbar.
Acht Handschriften mit deutschsprachigen Texten. Es handelt sich dabei
um Rechtsbücher, Jagdliteratur, einen Text
über die "geheimen" Künste und das sogenannte
Liederbuch.
Mönch von Salzburg
Liederdichter aus
der zweiten
Hälfte des 14. Jahrhunderts aus dem Umkreis des Salzburger
Erzbischofs Pilgrim II. von Puchheim (1365-1396), der ca. 57 weltliche
und 49 geistliche Lieder verfasste. Das weitgespannte
Œuvre des Mönchs ist unter Anderem deshalb so
bedeutsam, weil
sich hier die ersten Beispiele von deutschsprachigen,
mehrstimmigen Liedsätzen finden.
Oswald von Wolkenstein
Südtiroler Adeliger (* ca.
1376; † 1445), der neben Walther von der Vogelweide,
Neidhart und Heinrich von Meißen (Frauenlob) als der
bedeutendste Lyriker des Mittelalters gilt. Er verfasste neben
zwei unsanglichen Texten ca. 131 Lieder, darunter sind 38
mehrstimmig überliefert.
Palm, Thomas
Urkundlich nicht
bezeugter Schreiber
der nach ihm benannten Sammelhandschrift aus der 2. Hälfte des
15. Jahrhunderts.
Paumann, Konrad
Orgelvirtuose, Komponist und Verfasser
eines Lehrwerks für Orgel (Fundamentum organisandi);
außerdem hat er die (auch im Königsteiner
Liederbuch bezeugte) Lautentabulatur entwickelt (* ca. 1430 in
Nürnberg; † 1517 in München).
Philippe de Vitry
französischer Liederdichter und
Musiktheoretiker (* 1291 in Vitry; † 1361 in Meaux), der mit
dem Traktat Ars nova (ca. 1322) das Schlüsseldokument
für die Entwicklung der mehrstimmigen Musik (v.a. in
Frankreich) verfasste. Erhalten haben sich aus seinem
Œuvre noch ca. 12-14 Motetten, darunter 5, die Chaillou de
Pesstain als musikalische Einlage in den Roman de Fauvel
inserierte (ca. 1316); seine mehrstimmigen Balladen und Rondeaux sind
nicht überliefert worden.
Wolfgang von Neuhaus (Nova domo)
urkundlich nicht
bezeugter
Verfasser eines Lehrbuchs für Tasteninstrumente (Fundamentum
Wolffgangi de nova domo).
2.
Liedersammlungen und Musikhandschriften
Augsburger Liederbuch
in sich
abgeschlossener Teil einer
Sammelhandschrift mit Kleindichtungen unterschiedlichster Art,
die am 15. Juli 1454 in Augsburg abgeschlossen wurde.
Überliefert sind 97 Lieder ohne Melodien.
Bechsteins Handschrift
Sammelcodex mit
Kleindichtungen zur
Liebesthematik (darunter eine Sammlung von 73 Liedern), die 1512
abgeschlossen wurde und in einer sehr engen Verwandtschaft zur
Handschrift des Martin Ebenreuter steht. Eine Erweiterung
dieser Sammlung ist dann in das Liederbuch der Clara Hätzlerin
eingegangen. Der Name erklärt sich daraus, dass sich
die Handschrift im Besitz des
Märchenforschers Ludwig Bechstein befand.
Bergreihen
der
ursprünglichen Bedeutung
nach Tanzlieder der Bergleute, später als Sammelbegriff
für Lieder verschiedensten Inhalts verwendet. In
diesem erweiterten Sinne erscheint der Ausdruck dann in den Titeln von
mehreren gedruckten Liedersammlungen aus der Zeit zwischen
1531 und 1574 (ohne Noten).
Buxheimer Orgelbuch
Handschrift mit
Orgel-Tabulaturen (um
1470 abgeschlossen), die aus dem Karthäuserkloster Buxheim an
der Iller stammt, und mit insgesamt 258 Nummern die umfangreichste und
wichtigste Sammlung von Orgel-Musik im 15. Jahrhundert darstellt.
Fichards Liederbuch
Sammelhandschrift
aus dem 3. Viertel des
15. Jahrhunderts, die überwiegend lyrische Texte ohne Melodien
enthält, aber auch einige nichtsangliche Kleindichtungen. Die
Sammlung ist benannt nach dem Editor und letzten Besitzer,
Johann Carl von Fichard.
Fundamentum
Wolffgangi de nova domo (Fundamentum des Wolfgang von Neuhaus)
Spielanleitung für Orgel (mit
Lehrbeispielen) aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.
Handschrift des Martin
Ebenreuter
Sammelcodex mit
Kleindichtungen zur
Liebesthematik (darunter eine Sammlung von 73 Liedern), die 1530 von
Martin Ebenreuter in Würzburg abgeschrieben wurde und
in einer sehr engen Verwandtschaft zur Bechsteinschen
Handschrift steht. Eine Erweiterung dieser Sammlung ist dann in das
Liederbuch der Clara Hätzlerin eingegangen.
Königsteiner
Liederbuch
in sich
abgeschlossener Teil einer
Handschrift mit Kleindichtungen, der 169 Lieder
enthält. Dieser Teil ist ca. 1470/71 im Umkreis der
gräflichen Familie von
Eppstein-Königstein (Taunus) entstanden. Die meisten
Stücke sind ohne Melodien überliefert; zu vier
Liedern haben sich jedoch Lautentabulaturen erhalten (die zu den
frühesten Beispielen dieser neuen Aufzeichnungstechnik
gehören).
Liederbuch der Clara
Hätzlerin
Sammelhandschrift mit Kleindichtungen
(hauptsächlich Texte mit Liebesthematik), die 1471 durch die
Augsburger Berufsschreiberin Clara Hätzlerin angelegt
wurde; darin findet sich als selbständiger
Teil ein Corpus von 133 Liedern ohne Melodien, wovon 72 Lieder auch in
der Bechsteinschen Handschrift und der Handschrift
des Martin Ebenreuter stehen (ein Lied aus dem gemeinsamen
Bestand der beiden Parallelhandschriften fehlt dagegen hier).
Lochamer Liederbuch
zwischen 1452-1460
entstandene
Handschrift aus dem Besitz des Wolflein von Lochamer, der dem
Schülerkreis des Nürnberger
Organisten und Komponisten Konrad Paumann angehört.
Sie enthält im ersten Teil 45 Lieder (mit Melodien), bei dem
zweiten Teil handelt es sich um Paumanns Orgel-Lehrbuch
Fundamentum organisandi.
Palmsche Handschrift
Sammelhandschrift mit Heldenepik und
Kleindichtungen unterschiedlicher Art;
darunter ein kleines Corpus von 9 Liebesliedern (ohne Melodien). Die
Handschrift ist nach 1459 im östlichen Schwaben (Ulm?) von
einem urkundlich nicht bezeugten Thomas Palm angelegt worden.
Roman de Fauvel
Satirisch-allegorische Zeitdichtung;
1310-1314 von Gervais du Bus verfasst, der an der Kanzlei
Philipps des Schönen bezeugt ist († nach 1338).
Für die Musikwissenschaft ist dieser Roman so wichtig, weil er
um 1316 von (dem ebenfalls an der Kanzlei tätigen) Chaillu de
Pesstain († nach 1336) durch umfangreiche
Einschübe erweitert wurde, zu denen über 150
musikalische Kompositionen sowohl der ars antiqua als auch der
ars nova gehören. Von dieser Erweiterung hat sich eine
bebilderte Prachthandschrift aus dem 14. Jahrhundert erhalten (Paris:
Bibliotheque Nationale: fonds francais
146).
Weiterführende Links: www.lib.latrobe.edu.au/MMDB/Mss/FAUV.HTM
gallica.bnf.fr/Catalogue/noticesInd/MAN00833.HTM
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